Angkor

Monumente bis zum Horizont: Die Tempelruinen in der Provinz
Siem Reap gelten als größtes Kulturdenkmal Südostasiens.

Kunstdiebe können kulturhistorischen Stätten großen Schaden zufügen … Erst recht, wenn sie so martialisch zu Werke gehen wie im Actionfilm „Tomb Raider“. Aber im Fall des 2001 gedrehten Lara Croft-Streifens haben sich die Grabräuber der Leinwand sogar als gewinnbringend erwiesen: Nachdem der in den Kulissen von Angkor gedrehte Film um die Welt ging, stieg der Besucherstrom zu den Tempelruinen im Nordwesten Kambodschas spürbar an – zumal die Regisseure die Mystik der ehrwürdigen Heiligtümer recht realistisch in Szene gesetzt hatten …


Mehr als 1.000 Tempel

Das gilt vor allem für „Ta Prohm“: Diese Tempelruine präsentiert sich noch so geheimnisvoll, wie sie der französische Forscher Henri Mouhot 1860 wiederentdeckte: Brutal haben die mächtigen Wurzeln jahrhundertealter Baumriesen die steinernen Überreste des Khmer-Reiches durchdrungen, scheinen sie zu würgen, gleichzeitig aber auch ihren Einsturz zu verhindern. Eine dunkelgrüne Patina aus Kriechpflanzen und Moosen überzieht kunstvoll gemeißelte Portale, Reliefs und Skulpturen, mit denen dieser Tempel einst für 2.700 Priester und 12.000 Diener errichtet wurde. Damals, im 9. bis 15. Jahrhundert, als Angkor ein geniales Bewässerungssystem erschuf und bis zu einer Million Einwohner zählte, während die Gottkönige des Khmer-Reiches mehr als 1.000 Heiligtümer auftürmen ließen …

Das Lächeln der Statuen

Jeweils ganz unterschiedlich erhalten, erstrecken sich die Ruinen über eine Fläche von insgesamt 200 Quadratkilometern und bilden damit das größte Kulturdenkmal Südostasiens. Viele der Heiligtümer, die als Meisterwerke der Baukunst gelten und einst auch als Grabstätten dienten, wurden von der UNESCO 1992 zum Weltkulturerbe erhoben. Entsprechend intensiv fallen die Bemühungen aus, die Bauten für die Nachwelt zu erhalten. Mit Fahrrädern, Elektrofahrzeugen oder gar Heißluftballons lassen sich die Tempelanlagen besonders schonend erkunden. Wer sich per pedes im „Tempeltrekking“ übt, kann schon mal ins Schwitzen geraten – wie auf den Treppen von Angkor Thom. Das allerdings scheint die 200 Steinfiguren, die die tropischen Temperaturen hier schon seit Jahrhunderten gewohnt sind, nicht weiter zu berühren: Erhaben und ohne Mitleid – ja vielleicht sogar etwas amüsiert – lächeln die steinernen Antlitze auf ihre Besucher herab.


Wahrzeichen Kambodschas

Der Name des Haupttempels – Angkor Wat – wird gern als Synonym für alle Tempelanlagen Siem Reaps verwendet. Je nach Tageszeit entfaltet das unter König Suryavarman II. erschaffene Wahrzeichen Kambodschas eine ganz eigene Wirkung: mit der turmgeschmückten Silhouette, den umlaufenden Galerien und Steinreliefs, imposanten Wasserbassins und Sandstein-Terrassen sowie einer 350 Meter langen Prozessionsstraße zeugt der größte Sakralbau der Welt von der Verschmelzung buddhistischer und hinduistischer Einflüsse. Zehntausende Sklaven und Arbeitselefanten erschufen einst dieses Abbild des Universums: Stauseen als Urmeer, Gräben und Galerien als Gebirgszüge und Kontinente sowie fünf Türme als Sitz der Götter. Auf den Friesen prangen an die 2.000 steinerne Apsaras. Sie wurden im Reich von Angkor als himmlische Tänzerinnen verehrt und finden sich auch in weiter entfernten Anlagen wie Banteay Srei, Banteay Kdei oder Beng Mealea.

Siem Reap – Tor nach Angkor

Ausgangspunkt für den Besuch von Angkor ist Siem Reap. Seit Anfang der 1990er Jahre ist die Provinzhauptstadt derart gewachsen, dass sie mit Phnom Penh und Battambang nun zu den drei größten Städten Kambodschas zählt. Parallel zum Besucherstrom ist auch die Infrastruktur expandiert – vor allem durch die Vervielfachung der Budget- und Boutique-Unterkünfte, wobei allein das „Sokha Siem Reap Resort & Convention Center“ mit 776 Zimmern und Suiten als größtes Hotel am Ort fungiert. Ebenfalls keinerlei Wünsche offen lassen dürfte die florierende Restaurant- und Kneipenszene. Immer mehr Geschäfte, Kunsthandwerksbetriebe und Ateliers runden das touristische Angebot ab, aber auch vielfältige Serviceleistungen und Wellness-Angebote, illustre Freizeitparks oder sogar Quad-Abenteuer. Nach wie vor besondere Aufmerksamkeit erfahren natürlich traditionelle Tanz- und Theatervorstellungen oder das gut bestückte „Angkor National Museum“ www.angkornationalmuseum.com, das für 12 Dollar Eintritt die Facetten der Khmer-Kultur mithilfe moderner Medien präsentiert.


Betten mit Flair

Mehr als 1.000 Unterkünfte machen die Quartiersuche in Siem Reap zur Qual der Wahl, doch lässt sich die Aura von Angkor besonders treffsicher in Boutique-Hotels genießen. In jeder Beziehung als gute Empfehlung gilt das Golden Temple Hotel  www.goldentemplehotel.com sowie die ebenso perfekt durchgestylte Golden Temple Villa www.goldentemplevilla.com. Schon länger etabliert und wesentlich teurer ist das stil- wie stimmungsvolle Victoria Angkor Hotel & Spa www.victoriaangkorhotel.com, während das ehrwürdige Grand Hotel d`Angkor www.raffles-hotels.de/siem-reap oder das extravagante Amansara www.aman.com als ehemaliges Gästehaus des Königs mit originärer Historie aufwarten.

Der entscheidende Faktor: Zeit

Angesichts der zahlreichen Sehenswürdigkeiten stellt sich die knifflige Frage, wie viel Zeit in Siem Reap eingeplant werden sollte … Ein flüchtiger Eindruck lässt sich gewiss schon an einem Tag gewinnen – doch sollte man mindestens drei oder vier Tage einplanen. Denn nur dann lassen sich hier auch Sonnenauf- und untergang erleben, weiter entfernte Ruinen besuchen oder ein Ausflug über den Tonle Sap unternehmen. Der Faktor Zeit gilt aber auch für die Rettung der Ruinen, die 2018 rund 2,6 Millionen ausländische Besucher anlockten und mehr als 100 Millionen US-Dollar Eintrittsgeld generierten. Mit Zahnbürsten, Bohrern und Spritzen (Kieselsäure) kämpfen zum Beispiel die Restaurateure des „German Apsara Conservation Projects Köln“ um die Ruinenstätten – und das gibt allein schon beim 35 Meter hohen und aus rund 300.000 Sandsteinblöcken bestehenden Buaphon-Tempel eine ganze Menge Arbeit. Letztendlich können Verwitterung und Verfall aber eh nicht verhindert, sondern nur möglichst lange verzögert werden. Auch das natürlich ein guter Grund, den Besuch von Angkor nicht mehr auf die lange Bank zu schieben …