Der Norden

In Sapa und Dien Bien Phu fasziniert eine herrliche Bergwelt, in der ethnische
Minderheiten ursprüngliche Traditionen bewahrt haben.

Im hohen Norden Vietnams erstreckt sich eine Gebirgsregion von bestechender Schönheit – mit über 3.000 Meter hohen Bergen und einer Vielfalt ethnischer Minderheiten, deren bunte Trachten malerisch aus weitläufigen Reisfeld-Landschaften leuchten. Eine Visite in der legendären Bergstation Sapa an der Grenze zu China verspricht ebenso spannende Impressionen wie der historische Kriegsschauplatz von Dien Bien Phu an der laotischen Grenze.


Luftige Etappe der Franzosen

Als wichtigstes Reiseziel des nördlichen Berglands lockt das von den Franzosen 1922 gegründete Sapa. Der rund 1.600 Meter hoch liegende, in den letzten Jahren rasant gewachsene Ort bietet ein angenehmes Klima und im Winter zuweilen sogar Schneefall. In den zu Unterkünften oder Restaurants umgebauten Kolonialbauten verbinden sich der Stil und die Eleganz von einst mit zeitgemäßem Luxus. Wer es eher naturnah liebt, sollte sich in den Öko-Unterkünften der herrlichen Umgebung einquartieren. Von hier führen Trekkingrouten durch eine bezaubernde Landschaft aus Reisterrassen, Feldern und Wasserläufen zu den Bergvölkern, die sich leicht am Kopfschmuck unterscheiden lassen: Die Hmong (Meo) tragen blaue Tücher, während es bei den Dao rote, kissenförmige Kopfbedeckungen sind. Auch die Tay, die Thai oder die Muong haben sich ihre traditionelle Kleidung bis heute bewahrt.

Ein Tal mit Schicksal

Wesentlich mehr Einsamkeit als Sapa verspricht das über eine fast 300 Kilometer lange, landschaftlich reizvolle Strecke (oder alternativ von Hanoi über Son La) zu erreichende Dien Bien Phu. Die Abgelegenheit des sich an der Grenze zu Laos verbergenden Hochtals steht im Gegensatz zu seiner historischen Bedeutung: Die hier im Jahr 1954 ausgefochtene, 57-tägige Entscheidungsschlacht ging zugunsten der Vietnamesen aus – und deshalb in die Geschichte ein. An das Ende der französischen Kolonialherrschaft erinnern ein kleines Museum, Gräben und verschiedene Mahnmale, aber auch einstige Lager und Bunker – wie der des besiegten Oberbefehlshabers, der reichlich mit Beutewaffen dekoriert wurde. Heutzutage indes präsentiert sich das 18 x 4 Kilometer weite Tal als wohltuend stiller Winkel, in dem ganz unterschiedliche Minderheiten friedlich zusammenleben.


Das Dach Südostasiens

Bisher war der neun Kilometer von Sapa entfernte, 3.143 hohe Fansipan nur mit längeren Trekkingtouren zu erklimmen, seit 2019 kann man mit der schicken Zubringerbahn des Sunworld Fansipan Legend Center bequem aus dem Zentrum starten. Später führt eine Seilbahn weiter zum Dach Südostasiens: Auf einer 6,3 Kilometer langen Strecke bewältigt sie einen Höhenunterschied von 1.410 Metern – ein zweifacher Guinness-Rekord!