Saigon

Zwischen Lokalkolorit und Luxus:
Das pulsierende Leben der landesweit größten Metropole
präsentiert sich als perfekter Auftakt für das Abenteuer Vietnam.

Diese Metropole wächst nicht nur in den Himmel, sondern auch unter die Erde: Derzeit fiebert das quirlige HCMC, wie es gern abgekürzt wird, seiner neuen
U-Bahn entgegen: Die erste von sechs Linien ist fast 20 Kilometer lang und soll im Jahr 2020 in Betrieb gehen. Ob aber auch die zahlreichen Touristen von Ho-Chi-Minh-City das unterirdische Verkehrsmittel werden nutzen wollen? Immerhin ist es ja das pulsierende Straßen­leben von Vietnams größter Stadt, das zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten zählt und jeden Besucher umgehend in den Bann schlägt …


Straßenkino zum Nulltarif

Saigon – der Name gilt eigentlich nur für das Zentrum, wird jedoch gern für die ganze Stadt verwendet – dürfte heute schon mehr als zehn Millionen Einwohner zählen. Die seit Anfang der 1990-er Jahre grassierende Aufbruchsstimmung ist zum Dauerzustand geworden und manifestiert sich vor allem auf den Straßen, dominiert von stadtweit sagenhaften 7,6 Millionen Mopeds und permanentem Getucker: Oft sind ganze Familien auf ihrem Xe Máy unterwegs – mit Kindern, die sich im Schoß des Vaters souverän an den Lenker klammern oder Babys, die in den Armen ihrer Mütter schlummern. Die Jugend hockt am liebsten allein auf ihren Rollern, dabei eine Hand am Gas, die andere mit Handy am Ohr. Zwar sind die schicken Hüte der Saigonerinnen der Helm-pflicht zum Opfer gefallen, doch ihre Eleganz scheint unvergänglich. Mit hautengen Markenjeans oder Miniröcken, modischen Flip Flops und langen Handschuhen lenken sie ihre Gefährte durch die Stadt.

Junge Künstler – Alte Märkte

Boom und Big Business prägen das neue Stadtbild. Reich an Chrom, Glas und Marmor, wachsen immer mehr Büro- und Hoteltürme in den Himmel. Schillernde Einkaufszentren und Flaniermeilen wie das Saigon Square, Takashimaya, Vincom Center oder Parkson konkurrieren mit zahlreichen Boutiquen, Ateliers und Galerien, in denen Vietnams junge Modeschöpfer, Künstler und Designer selbstbewusst gegen internationale Marken- oder Massenproduktion antreten. Die traditionellen Märkte der Stadt bleiben erstaunlich gut im Geschäft – wie der Ben Thanh-Markt: Das Einkaufsparadies aus 1.500 Ständen lockt mit Textilien, Kunsthandwerk und landestypischen Spezialitäten. Es wurde bereits von den Franzosen erbaut, ebenso wie das stuckverzierte Rathaus, das Stadttheater, das Art Deco-Postamt, die Kathedrale oder manches Kolonialhotel, das im Viertel Dong Khoi mit seiner Architektur noch für das Saigon von Graham Greene und Somerset Maugham steht.


Je nach Geschmack und Geldbeutel

Die Vielfalt der Unterkünfte ist schlichtweg überwältigend: Die günstigsten verbergen sich als Privatzimmer in der Hem 40, 84, 185, 217 oder 283, wie die kleinen Gassen im Traveller-Viertel Pham Ngu Lao durchnummeriert sind, und kosten um zehn US-Dollar – oft mit Familienanschluss. Die durchsanierten Kolonialhotels von einst liegen vor allem an der stets angesagten Dong Khoi, imposante Fünf-Sterne-Resorts mit bis zu 530 Luxus-Zimmern finden sich vor allem im chinesischen Viertel Cholon.


Wahrzeichen der Moderne

Zu den fotogenen Bauten der Neuzeit zählt die Phun My-Brücke. Die imposante Hängekonstruktion spannt sich über den Saigon-Fluss, um die Anbindung der nördlichen Stadtteile zu verbessern. Als ständiger Begleiter hingegen erweist sich der 2010 eröffnete Bitexco Financial Tower, der mit seinen 265 Metern und der futuristisch anmutenden Architektur nie zu übersehen ist. Für ca. sieben Euro dürfen sich Besucher in die 49. Etage beamen lassen, um vom Saigon Skydeck einen atemberaubenden Panoramablick zu genießen – gratis hingegen ist die Aussicht vom Café im 50. Stock. Noch höher hinaus will Saigon offensichtlich mit dem neuen Long Thanh International Airport: 40 Kilometer nordöstlich der Stadt soll er ab 2025 den Riesenflieger A380 und jährlich bis zu 100 Millionen Passagiere abfertigen können.

Erlebnis-Gastronomie ohne Ende

Die Tage in Saigon vergehen wie im Flug, doch wehe dem, der nicht genug Abende für Straßenküchen, Szenebars und Schlemmer-Restaurants mitgebracht hat: Vielerorts und besonders in der Vinh Kanh Street brutzeln Straßenköche unter den hungrigen Augen ihrer Gäste um die Wette – und wo viel gespeist wird, dürften auch Sauberkeit und Frische stimmen. In einer ehemaligen Opiumfabrik lockt das urgemütliche Bistro-Restaurant The Refinery mit globaler Küche, im Wohnzimmer-Ambiente des Mandarine indes haben sich schon Präsidenten und Könige an den künstlerisch kreierten Köstlichkeiten gelabt. Auch wer zwischen Antiquitäten auf den Samtsofas des Temple Club Platz nimmt, dürfte es wohl kaum bereut haben. Schließlich haben hier schon Angelina Jolie und Brad Pitt gespeist – und zwar gebratenen Reis sowie das Fischgericht Cha Ca La Vong, wie stolz erzählt wird …